ein Rückblick aus der Sicht des Jahres 1992


Es scheint mir wesentlich einfacher, einen Rückblick auf 100 Jahre oder 250 Jahre Vereinsgeschichte zu schreiben als auf 25 Jahre; in diesem Fall sind nämlich alle noch dabei gewesen und wissen es natürlich besser als der Schreiber. Darum hat dieser zwar besondere Sorgfalt aufgewandt, aber wenn einzelne Einzelnes anders bewerten, möge es dem Autor verziehen werden - er hat es auf jeden Fall gut gemeint.

Die Gründer des KVM

In der ersten Vereinszeitung des KVM - die einzige im DIN A-4-Format, die zur Session 68/69 erschien, steht zu lesen: „Der neu gegründete Karnevalsverein „Bubbels-Bröder e.V." begann die Karnevalssession 1967 sehr verheißungsvoll. Mit einem karnevalistisch angehauchten Tanzabend stellte sich der Verein der Öffentlichkeit zum ersten Male vor. Dieser bunte Abend wurde in dem festlich geschmückten Burgsaal zum 11. im 11. 1967 veranstaltet.“ Genau zwei Monate zuvor, am 11.9.1967, wurde der Verein von 20 Mitgliedern gegründet. Treibende Kraft hierbei war Gottfried Schlierf, der als erster Präsident lange Jahre die Geschicke des Vereins maßgeblich beeinflusste. Die Idee zur Gründung des Vereins kam natürlich auch von „Gottimann", denn seit dem 11.4.67 hatte er regelmäßig am 11. eines Monats Interessierte um sich geschart, um mit ihnen zu „bubbeln" und die Vereinsgründung vorzubereiten. Die Mitgliedsstärke steigerte sich von 68 Ende 1967 auf den Höchststand von über 500 im Jahr 1975 - damals war der KVM der stärkste Verein der Stadt; danach erlitt der KVM wie nahezu alle Vereine einen steten Mitgliederschwund; heute sind ca. 230 „Jecken" karteimäßig erfaßt.

Was soll man über 25 Jahre berichten? Eine chronologische Auflistung aller Veranstaltungen wäre sicherlich zu langatmig. Nur herausragende Veranstaltungen zu erwähnen, würde der Aktivität des Vereins nicht gerecht. Also versuche ich eine Mischung von beidem. Die Auflistung der Personen, die im Verein Verantwortung getragen haben, erfolgt in einem separaten Artikel - hierbei wurde auf Vollzähligkeit großer Wert gelegt, denn keiner darf übersehen werden.
Durch die Jahre hindurch gab es gleichbleibende Veranstaltungen: Sessionsbeginn, Kostüm- oder Prunksitzung (seit 1991 nicht mehr), Karnevalszug, Fischessen als Ausklang. In den Anfangsjahren konnten noch Bälle das Publikum locken (an Weiberfastnacht, samstags und Rosenmontag), aber „das war einmal. ..". Von 1969 an gab es neben einer Karnevalsveranstaltung für Kinder (später Kindersitzung) den närrischen Kaffeeklatsch im Marienheim, während vieler Jahre von den Marketenderinnen veranstaltet, sowie den Kirschenmarkt zum Donatusfest und mit dem hieraus erzielten Erlös im Spätsommer eine Altenfahrt-
Weiberfastnacht 1970 wird zugleich mit der feierlichen Eröffnung des Karnevals die erste öffentliche Uhr durch den KVM am Orchheimertor angebracht.
Ostersonntag 1970 betätigen sich die Vorstands- und Elferratsmitglieder als Osterhasen und führen eine Osterbescherung im DRK-Heim Nöthen durch, was sich viele Jahre wiederholen wird.
Ein origineller Vorschlag von Franz Moll wird in der Vereinszeitung 3 veröffentlicht: „Sollten beim Kirschenmarkt zuviel Kirschen eingekauft worden sein, dann sollen die nicht verkauften eingefroren werden und im nächsten Jahr als Kamelle geworfen werden" - bislang wurden aber alle Kirschen an den Mann oder an die Frau gebracht, so dass diese Idee noch auf ihre Verwirklichung wartet .
Februar 1971 wird in Hardbrücke eine „Filialsitzung" durchgeführt, und diese Veranstaltung bleibt bis zum Jahr 1974 fester Bestandteil im Programm des KVM.
Der Erlös des Kirschenmarktes 1971 wird für den Bau eines Kinderspielplatzes - Aktion "für ons Päns" - verwendet, der dann in Eigenleistung erstellt und im Frühjahr 1972 am Heisterbacher Tor eingeweiht wird. Leider gibt es ihn schon lange nicht mehr.
1972 nimmt der KVM mit einer starken Abordnung in der Partnerstadt Fougeres am „Fete du Lutin" teil und wird dort mit Begeisterung aufgenommen.
Durch ihre Aktivitäten und schmucken Uniformen und Kostüme sind die Marketenderinnen und Landsknechte eine Attraktion bei der „Freizeitwoche 1972", die die Stadt veranstaltet.

Die Titelseite der 5. Vereinszeitung wird geziert von einem neuen „LOGO": ein Landsknecht und eine Marketenderin rahmen das Orchheimer Tor ein, und die vom KVM gestiftete Uhr zeigt 11.11 Uhr .
1972 ist die Stadt Bad Münstereifel erfolgreiche Teilnehmerin beim „Spiel ohne Grenzen", und der KVM wirkt effektvoll im Rahmenprogramm mit.
KVM-Präsident Gottfried Schlierf wird 1972 Schützenkönig in Bad Münstereifel. Viele Bubbelsbröder hätten das ebenfalls werden können, denn eine große Anzahl von Bubbelsbrödern gehört zu den aktiven Schützen. So wird folgerichtig in der Vereinszeitung der nicht ernstzunehmende Vorschlag gemacht, „dass sich die beiden Vereine St.Sebastianus-Schützenbruderschaft und der KVM-Bubbelsbröder zu einem Verein zusammenschließen möglicherweise unter dem Namen ,Schützenbruderschaft St.Bubbelsbröder' !" 1973 wird auf Initiative der Marketenderinnen ein Altenkaffee im Marienheim organisiert, und auch diese Veranstaltung bleibt lange Jahre Tradition.
1973 wird das bis heute gültige Motto für den Kirschenmarkt kreiert:
„Der Reingewinn von heute für unsere alten Leute".

Der KVM nimmt 1973 in der Partnerstadt Ashford am traditionellen „Ashford-Hospital's Carnivall" teil und wird begeistert aufgenommen; dies zeigt sich besonders dadurch, dass die Gruppe das meiste Geld im Festzug zugeworfen bekommt; bei diesem Festzug werfen nämlich nicht die Zugteilnehmer mit Bonbons o. ä., sondern die Zuschauer werfen den Teilnehmern Münzen zu, die mit großen Tüchern, z. B. einer Stadtfahne von Bad Münstereifel, aufgefangen werden und einem guten Zweck zukommen. Ein revolutionärer Vorschlag, der auf einem der vielen Bubbelsabende gemacht wird, woraus man unschwer erkennt, wie ernst an diesen monatlichen Zusammenkünften jeweils diskutiert wurde, steht in der Vereinszeitung Nr. 6 zu lesen: Es wird der Vorschlag gemacht, im kommenden Jahr den Karnevalszug auf der Umgehungsstraße aufzustellen und die Bevölkerung zu bitten, an dem Zug vorbeizugehen, um sich Strüßcher und Kamelle abzuholen. Der Vorschlag hat folgende Vorteile:
1. Der Zug braucht keine Trecker.
2. Jeder kann sich die Wagen und Gruppen genau besehen, und wenn er jemand nicht leiden kann, dann kann er hinterher zu Hause lachen.
3. Gerechte Verteilung von Kamelle und Strüßcher.
4. Zuschauer brauchen nicht am Straßenrand rumzustehen und sich schubsen zu lassen, sondern können das Ganze mit einer schönen Freizeitbeschäftigung, nämlich Spazierengehen, verbinden.
5. Absolute Ruhe in der Kurstadt an diesem Sonntagnachmittag.
6. Die Stadt bleibt sauber.
7. Der Durchgangsverkehr fließt reibungslos durch die Stadt.
In der Session 1973/74 bietet der KVM den Münstereifelern zwei neue Attraktionen: zum ersten Mal treten die beiden neugegründeten Tanzgarden an die Öffentlichkeit, und die erste Herrensitzung geht mit großem Erfolg über die Bühne und bleibt seitdem Jahr für Jahr ein karnevalistischer Höhepunkt in Münstereifel.
Die erste Herrensitzung brachte aber im Vorfeld einige Aufregung, wie im Heft 7 der Vereinszeitung zu lesen ist: „Man sollte es kaum glauben, aber die Ende 1973 eingetretene Ölkrise ließ den Vorstand des KVM-Bubbelsbröder manche Stunde zusätzlich beraten, denn z. B. das Sonntagsfahrverbot machte uns recht großen Kummer , zumal alle Kräfte für die erste Herrensitzung fest engagiert waren, und bekanntlich startete diese Sitzung an einem Sonntagvormittag, am 6.1.74! Es wurde schon ernstlich überlegt, ob der Vorstand eine eigene Buslinie errichten sollte, im Umkreis Euskirchen und in der Großgemeinde. Dieses kolossale finanzielle Opfer wurde ernstlich neben den hohen Kosten der Sitzung an sich erwogen. - Aber es ging ja noch einmal gut!
Ein Klagelied wird im Heft 7 der Vereinszeitung gesungen:
„Doch am Rand stohn de Löck - stief un verläge un sen ze bang, sich e bißje ze bewäge. Es et e su schwer, ens ze schunkele un ze lache un selver e klein bißje mitzemache? Me föhlt sich als Jeck nämlich gar net wohl, wenn mer net wehs, op me lache oder knatsche soll! Also für nächs Johr hann ich en Bitt: maht am Rand doch ens kräftig met." Manche Schilderungen scheinen zeitlos.
Auch 1974 ist der KVM bei der Freizeitwoche ein attraktiver Programmpunkt durch die Teilnahme der Landsknechte und Marketenderinnen.
1975 wiederholen die Bubbelsbröder ihren großen Erfolg beim Festzug in Ashford.
Im Jahr 1976 nimmt der KVM zum 1. Mal am Prinzen- und Präsidententreffen im Kreishaus Euskirchen teil, aufgrund einer Einladung von Landrat R.Blaß und OKD Dr.Decker; einen Karnevalsprinz kann der KVM allerdings nicht mitnehmen, und auch heute noch muss der KVM Prinzen in der Großgemeinde „ausleihen“.
Die KVM-Tanzgarde beteiligt sich erstmals erfolgreich an Wettbewerben, dass Ingrid Beier die Mädchen genauso engagiert trainiert wie das seit 1971 auftretende Herrenballett (Vorstand und Elferrat sind hier stark im Einsatz), das soll jetzt hier einmal herausgestellt werden; dass sie bis heute darin nicht nachgelassen hat, verdient besonders hervorgehoben zu werden.
Der 12. 1. 1977 ist wieder ein besonderes Datum, da hier wieder eine neue Tradition begründet wird: Der KVM startet als neue Attraktion für nah und fern eine Damensitzung. Sie ist bis heute der unumstrittene Anziehungspunkt und verursacht Jahr für Jahr neuen Unmut: Es gibt zu wenig Karten für die vielen Interessentinnen.
Im Mai wirken die Marketenderinnen beim Pfarrfest mit und liefern einen weiteren Beweis dafür, daß der KVM mehr kann als nur Karneval feiern. Im Pfarrbrief Nr. 17/77 ist zu lesen: „Den größten Anteil am Bruttoerlös hatte die Bewirtung unserer Gäste durch die Marketenderinnen..." Sie dürfen noch viele Jahre mitwirken.
Auf der Jahreshauptversammlung 1977 tritt Herbert Jonas als langjähriger Vorsitzender des Vereins zurück und wird ob seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Erstes, echtes Jubiläum in der Session 1977/78: 11 Jahre KVM!

Auf der Herrensitzung präsentierte sich die Tanzgarde unter der Leitung von Ingrid Beier erstmals als „Bel-Ami-Girls", und wie man heute weiß, wurde hier der Grundstein gelegt für jahrelange Erfolge auf vielen Bühnen, ja sogar im Fernsehen -und wohl noch für viele weitere Jahre.
Der Karnevalszug als reiner Fußgruppenzug geht in die Geschichte des KVM ein.
Im November 1978 schaffen die Bubbelsbröder mit zwei Entenhäuschen dem Federvieh in der Erft -natürlich am Entenmarkt -ein Winterquartier.
Von der Vereinszeitung 1978/79 an ziert der jeweilige Vereinsorden der Session die Titelseite - die Orden werden nicht nur an die Aktiven des Vereins verliehen, sondern können gegen eine Spende von mindestens 50,- DM käuflich erworben werden - eine kleine Stütze für die Kasse des Vereins.
Das Motto des Karnevalszuges 1979/80 lautet „Münstereifel abjebrannt - trotzdem sin mer weltbekannt", wie alljährlich, das Ergebnis mächtiger Denkanstrengungen. Die Nr.12 der Vereinszeitung belegt dies: „Das diesjährige Zug-Motto ist zwar doppelsinnig, bezieht sich jedoch nicht auf die vielen Brände in Bad Münstereitel, sondern auf die Ausgleichsstock-Gemeinde mit ihrer abgebrannten Stadtkasse. Das dargestellte Bild auf der Vorseite (in dieser Nr.12) - Vorstand in Verbindung mit Zündhölzern - soll Sinnbild dafür sein, dass der Vorstand ,zündende' Ideen für ,ansteckende' Freude und ,brennende' Begeisterung für den Karneval hat." - Das ist sicherlich bis heute unverändert geblieben.

Zwei gelungene Zusatzveranstaltungen im Jahre 1980, vom KVM organisiert: Tanz in den Mai -und als Knüller: ein Konzert der Bläck Föss auf der Burg.
In Heft 13 der Vereinszeitung ist der Leserbrief eines angesehenen Münstereifeler Bürgers, nämlich des Oberstudiendirektors i.R. Franz-August Guddorf abgedruckt, der dem KVM folgendes Lob spendet: „Wer in Münstereifel kennt nicht die Bubbelsbröder? So? Kennt er sie wirklich? Was verbindet er mit diesem Namen? Lauter Lust und Freude, Ausgelassenheit und karnevalistisches Treiben. Sicherlich auch das gehört dazu. Aber noch viel mehr. Letztlich geht es darum, altes Kulturgut - also auch den Karneval -zu pflegen und zu erhalten, alte Sitten und Bräuche, wie z. B. den Kirschenmarkt aus der Versenkung herauszuholen und neu zu beleben. Dazu wird der Erlös aus dem Kirschenmarkt einer sozialen Zweckbestimmung zugeführt, nämlich ihrer jährlichen Altenfahrt ins Blaue. Aus dieser sozial-karitativen Einstellung entstand der Kinderspielplatz an der Werkbrücke hinter dem Heisterbacher Tor .Besonders soll herausgestellt werden, dass das Deutsche Rote-Kreuz-Heim an den Nöthener Tannen für Eltern mit körperlich und geistig behinderten Kindern sowie das Marienheim, das Altenwohnheim an der Langenhecke, wiederholt von den Bubbelsbrödern bedacht worden sind. Es ist schon gut, dass ein Außenstehender, ein Inaktiver, das mal sagt, was ein Insider nicht gut sagen kann. Die Bubbelsbröder verdienen für all ihre Aktivitäten und ihr lobenswertes menschliches Empfinden Dank und Anerkennung." Das musste ja mal gesagt werden!
1981 wird der Kirschenmarkt in Ermangelung von Kirschen zum Pfirsichmarkt nach dem Motto: Auch Pfirsiche haben Kerne! Die Bubbelsbröder gehen 1981 „fremd": Gottfried Schlierf ist wieder Schützenkönig, und die Landsknechte und Marketenderinnen sind Staffage auf der Burg, als dem allseits bekannten Volkssänger „Heino" eine Platinplatte für 500.000 verkaufte LP's überreicht wird. Auf der Kostümsitzung 1981 gibt es eine Premiere: Zwei junge Nachwuchskünstler des Vereins, Fredy Kirchner und Robert Nolte, stellen sich als Duo vor und lassen gleich bei ihrem ersten Auftritt erkennen, dass sie ab sofort zu den besten Duos im rheinischen Karneval gehören werden. Bis Redaktionsschluss hat sich daran nichts geändert. 1982 gibt es in der Stadt das Pflasterfest, und der KVM nimmt mit seinen beiden „Aushängeschildern", den Landsknechten und den Marketenderinnen, in einem „Lager" teil: „Das Landsknechtslager war die Schau, ob Hühner, Kning, ,Liesel', die Ziege, ob Hellebarde an der Schmiede, es fehlt nur noch am Spieß die Sau" (zitiert aus Heft 15 der Vereinszeitung). Als der amtierende Bundespräsident Carl Carstens unsere Kurstadt besucht, wird der KVM durch die Marketenderinnen würdig vertreten; sie passen mit ihren schönen Kostümen ja wunderbar zur Kulisse der Stadt. Ab 1983 finden die Großveranstaltungen des KVM, die bisher im Saal der Burg durchgeführt wurden, im neueröffneten Saal Rupperath in Eicherscheid statt. Vom Komfort her werden diese wesentlichen Verbesserungen begrüßt, wegen der Verlagerung der Veranstaltungen aus der Kernstadt weg gibt es viel Kritik. Trotzdem: Münstereitel bietet bis heute keine Alternative in der Kernstadt.
Auf der Herrensitzung 1983 gibt es einen Einschnitt in der Geschichte des KVM - Gotttried Schlierf gibt aus Gesundheitsgründen seine Präsidentenmütze an seinen Nachfolger , Ewald Beier. Gotttried Schlierf wird zum Ehrenpräsidenten ernannt. Ewald Beier schafft es sehr schnell, aus dem Schatten von Gottfried herauszutreten, und leitet bis heute alle Sitzungen des KVM bravourös.

Auf den Sitzungen werden sogenannte „Bausteine für die Bubbelsbud" verkauft, das sind Kacheln mit Münstereifeler Motiven, gestaltet von Fredy Kirchner und wunderschön anzusehen. Leider war der Verkaufserfolg nicht so, wie man es erwartet hatte, und so gibt es heute noch die Kacheln mit den drei unterschiedlichen Motiven, inzwischen schon Antiquitäten, zu kaufen. Trotzdem: Die Bubbelsbud, ein Pavillon, in dem früher Klassen der Hauptschule untergebracht waren und den der Verein gekauft hat, wurde in unermüdlichem Einsatz insbesondere von Karl- Heinz Dormann und Josef Heinen, aber auch durch Mithilfe des Vorstandes und Elferrates zu einem wunderschönen Clubheim gestaltet. Die Sessionseröffnung 1983/84 wird gleichzeitig die Einweihung dieses vereinseigenen Schmuckstückes.
Am 7. Mai 1983 feiern die Bel-Ami-Girls mit einem bunten Abend ihren 10. Geburtstag. Aus der Tanzgarde von einst ist inzwischen eine tolle „Revue- Truppe" geworden, und bis heute begeistern die Damen mit ihren schmissigen Tänzen und natürlich mit ihren schönen Figuren. Von der ersten Stunde an dabei ist Ingrid Beier als Trainerin, Choreografin, Kostümschneiderin und natürlich als Managerin.
Der Sessionsorden 83/84 spiegelt eine „Heldentat der Stadtverwaltung" wider - den Verkauf der Burg für 1 Mark an den Burgenkönig Hillebrandt.
Am 8. Januar 1984 verstirbt im Alter von 63 Jahren Leo Kröger, lange Jahre aktiv in Vorstand und Elferrat (und Schützen). Im Nachruf in der Vereinszeitung Nr.17 heißt es: „Er hat uns gelehrt, was Lebensfreude und eine heitere Frohnatur, was Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft für den Verein bedeuten kann." Ganz im Sinne von Leo Kröger finden alle Karnevalsveranstaltungen statt.
Wer wird 1984 Schützenkönig? Natürlich wieder einer vom KVM - der Vorsitzende Günter Kirchner.
1986 gibt es einen denkwürdigen Karnevalszug - die Temperaturen sind so niedrig, dass den Musikern die Töne in den Instrumenten einfrieren - da hilft bei 15 Grad minus selbst das Schunkeln nichts mehr.
Im Jahr 1986 knistert es hinter den fröhlichen Fassaden des Vereins derart lange und heftig, dass ein Knall das Ende bringt: Die Gruppe der Marketenderinnen löst sich auf, und viele der ehemals sehr aktiven Damen verlassen den Verein. Der Verein erweist sich aber als stark genug, diesen Aderlaß zu verkraften und kann die meisten Aktivitäten, für die die Marketenderinnen verantwortlich waren, mühelos ersetzen, u.a. auch durch den aktiven Einsatz der Bel-Ami-Girls.
Am 18.11.1986 gründet sich eine neue Einheit im Verein - der sogenannte „Bubbelsrat", in dem ehemals Aktive und noch immer Engagierte dem Verein Hilfe und Stütze (evtl. auch finanzieller Art) anbieten. Leider haben sich die vielen Erwartungen nicht so ganz erfüllt, und daher weiß eigentlich keiner mehr so recht, ob es diesen Bubbelsrat noch gibt. 20 Jahre KVM gilt es 1987 zu feiern - und es geschieht in vielen Veranstaltungen, und das Zugmotto verspricht: „KVM seit 20 Johr - et jeht so widder wie et wohr".
An Weiberfastnacht wird die Rathauserstürmung nach langer Zeit wieder durch „Aahl Möhne" durchgeführt, und das kommt beim Publikum sehr gut an.
Beim Kirschenmarkt treten die Aktiven (Vorstand, Elferrat und Bel-AmiGirls) als Gärtner und Gärtnerinnen auf und bieten ein schönes buntes Bild beim Kirschen-, Bier- und sonstigen Verkauf.
1987 hat Bad Münstereifel wieder als Schützenkönig einen - man errät es sofort - Bubbelsbroder, nämlich Jürgen Schlierf.
Am 14.5.1988 feiern die Bel-Ami-Girls mit einem großen Festabend ihren 15. Geburtstag; drei von ihnen sind neben der Leiterin Ingrid Beier von Anfang an dabei: Petra Mahlberg Sonja Brück und Christiane Reetz. Die Tanzgarde, in der Ersatztänzerinnen für die Bel-Amis heranwuchsen, löst sich leider wegen Personalmangels auf.
In der Vereinszeitung 1988/89 werden zur Freude der späteren Geschichtsforscher alle Orden abgebildet, die der KVM bis dahin verliehen hat; neben den Sessionsorden gehören Sonderorden für Elferrat, Präsident und Tanzgarden dazu.
1989 gibt es in Bad Münstereifel einen Schützenkönig, der nicht nur wegen seiner fortgeschrittenen Jugend ein altgedientes und verdientes Vereinsmitglied ist, natürlich auch bei den Bubbelsbrödern: Walter Riep!
Eine neue Veranstaltung soll Tradition werden: Der KVM führt ein Sommerfest durch, und ein großer Teil des Reingewinns kommt der „Leukämie- Initiative Bonn" zugute; nicht zuletzt, weil zu diesem Verein über unseren 1.Vorsitzenden Günter Kirchner eine enge Beziehung besteht.
Nach dem Königsschuss 1990 wird der Elferrat und Vorstand des KVM, sofern er nicht bei den Schützen aktiv ist, im Eilverfahren zusammengerufen, um als Ehrengeleit für den neuen König zu fungieren; wieder hat ein Bubbelsbroder genau gezielt: Martin Hergarten. Die deutsche Einheit beeinflusst auch das Motto des Karnevalszuges 1991 : „Von Mönster bis nach Eisenach - der Karneval uns einig macht."

An der Erarbeitung dieses Mottos hat er noch mitgearbeitet, aber der Karneval in Bad Münstereifel muss in Zukunft ohne ihn auskommen: Am 24. November 1990 stirbt Gottfried Schlierf, der Gründer und Ehrenpräsident des KVM. „Halb Münstereifel" begleitet ihn auf seinem letzten Weg und dankt ihm dadurch für seinen großen Einsatz im Vereinsleben der Stadt.

Der Januar 1991 geht mit Sicherheit in die Weltgeschichte ein, denn es beginnt der Golfkrieg, der die Welt lange in Unruhe versetzt (und dann nach seinem Ende auch schnell wieder in Vergessenheit gerät). Alle Welt bekundet Solidarität mit den vom Krieg Betroffenen, und nach Meinung vieler Nichtbetroffener darf keine öffentliche Fröhlichkeit mehr sein. Nach kontroversen Diskussionen findet der KVM einen guten Kompromiss: Alle Saalveranstaltungen finden statt, alle Freiluftveranstaltungen fallen aus. Zusätzlich fällt allerdings auch noch die Kostümsitzung 1991 aus, aber nicht dem Golfkrieg, sondern der Vereinskasse zuliebe. Die Kostümsitzung, einst Ausgangspunkt der närrischen Veranstaltungen, war seit langem ein großes Minusgeschäft und wird wohl nicht mehr durchgeführt. Früher wurde sie überwiegend von eigenen Kräften gestaltet, aber wo sind sie geblieben?
Überhaupt ist hier die Entwicklung des KVM in 25 Jahren wesentlich abzulesen: In der Gründerzeit wurden die meisten Veranstaltungen von eigenen Kräften durchgeführt: Büttenredner, Duos, Musik, Tanz, Sketche. Das Publikum wollte genau dies sehen und kam deswegen. Heute fehlen die eigenen Kräfte weitgehend, aber die Ansprüche sind auch derart gestiegen, dass der Literat nur Bestes aus den Hochburgen der Narretei engagieren darf. So konnte auch die Kostümsitzung auf Dauer nicht mehr gehalten werden, und es ist fraglich, ob bei den im Vergleich mit Köln oder anderen Städten niedrigen Eintrittspreisen in Zukunft die Programme so gestaltet werden können, wie es zur Zeit geschieht.

In der Hoffnung, keinen übersehen zu haben, sollen hier einmal die in vielen Sitzungen aufgetretenen vereinseigenen Kräfte aufgeführt werden: Trude Bresgen, Rudi Frings, Michel Krösinger, Jürgen Schlierf , die Bubbelsingers Jürgen Hanf und Rolf Hürten, das Sackeifelduo Fredy Kirchner und Robert Nolte, die Landsknechte mit ihrem Spezialisten für das Münstereifellied, Peter Hack, das Herrenballett aus Vorstands- und Elferratsmitgliedern, die Tanzgarde und die Bel-Ami-Girls, dazu die vielen kleinen Aktiven bei den Kindersitzungen.
Der aufmerksame Leser vermisst sicher einen Hinweis auf den Schützenkönig des Jahres 1991 - bitte, hier ist er: Achim Strecke, natürlich einer aus der Schar der fröhlichen Bubbelsbröder. Vielleicht sollte man doch im Zeitalter des Rückgangs von Mitgliederzahlen noch einmal den Vorschlag aus dem Jahre 1972 (s. o.) aufgreifen.
Im Heft 1 der Vereinszeitung heißt es auf Seite 2: „Die Bubbels-Bröder haben es sich zum Ziel gesetzt, bei Karnevalssitzungen, -bällen und beim Karnevalszug zur Fastelovendsfreude zu animieren. Ob aber jemand in die rechte Stimmung kommt, hängt schließlich von jedem selbst ab." Drum möchte ich dem KVM in Abwandlung eines Ausspruches unseres früheren Bundespräsidenten Heuss für die nächsten 25 Jahre zurufen: „Nun animiert mal schön!".

Autor: Hans Trieschnigg